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 CTW Grp #3

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Endstation Sehnsucht
An der Endstation Angekommene
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BeitragThema: CTW Grp #3   Do März 03, 2016 10:33 pm

Diese PN ging soeben an Stormborn:


Charakterentwicklung: whitewolf, ΔTTERO DOMINATUS, Ruby, PinkFluffySauron, Kerryanerin
Charakterdarsteller: Xu "fy" Linsen
Lyrics by: Fort Minor - Remember My Name

Codes by: Ruby
Desktop- & Charaktergraphics by: Kerryanerin
Setgraphic by: PinkFluffySauron
Writings by: whitewolf & ΔTTERO DOMINATUS

Zeichen insgesamt: 18377 mit Leerzeichen


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  • Ken "K1nGk3n" Cho









    Personality
    Wenn ich etwas an meinem Leben ändern könnte, dann – nein, eigentlich muss ich anders anfangen. Es gibt nämlich nicht nur Eines, das ich an meinem Leben ändern würde, wenn ich nur die Gelegenheit dazu bekäme. Da wäre zunächst einmal die jetzige Situation - Ich in einem Zug. Wer hätte das gedacht? Ich meine, es ist weltweit bekannt, dass ich schon die ein oder andere Reise unternommen habe. Doch in den meisten Fällen legte ich meine Strecke dort zu Fuß oder mit einem extra dafür ausgebildeten Mount zurück. Ja, ihr habt richtig gehört, Mount. Was das ist? Vielleicht hilft es euch, wenn ich zuerst ein wenig über mich erzähle, bevor ich darauf zurückkomme. Die meisten Leute aus meinem Umfeld kennen mich unter dem Namen K1nGk3n - ein weiteres Rätsel, tja, ich stehe total auf sowas - aber das ist eher ein Spitzname unter Gleichgesinnten. Meine Familie und die wenigen Freunde, die ich habe, nennen mich bei meinem bürgerlichen Namen: Ken Cho. Ziemlich lame wie ich finde, aber damit muss ich leben - auch wenn dieser Name wirklich die langweiligste, willkürlichste und am wenigsten individuellste Strafe ist, die man seinem Kind kurz nach der Geburt antun kann. Hätte ich mich selbst benennen können, hieße ich vermutlich Ryu, was so viel wie Drache in meiner Landessprache bedeutet und wesentlich epischer wäre.
    Jetzt aber genug des Geredes über Vor- und Zunamen. Schließlich sollte man mit 22 Jahren Besseres zu tun haben, als über so etwas zu sinnieren. Hatte ich auch. Wirklich! Meine Mutter schimpfte früher häufig, ich würde nicht in der gleichen Welt wie sie leben. Das ist Bullshit. Ich lebe genauso in Tokyo, der Hauptstadt von Japan, wie sie auch; nur... eben ein bisschen anders. Zum Beispiel ist es mir egal, wie unser Premierminister heißt oder was jemand in meinem Alter durchschnittlich verdienen sollte und dass unsere Insel langsam zu klein für so viele Leute wird. Bis vor kurzem musste mich das auch noch nicht interessieren – bis vor kurzem waren mir ganz andere Sachen wichtig. Sachen, die normale Menschen nicht verstehen würden. Doch dann hat mein Dreckssack von Vater meine Mutter betrogen und damit so ziemlich alles über den Haufen geworfen, was ich für meine Zukunft geplant hatte. Von jetzt auf gleich hieß es "Ken, du brauchst einen richtigen Job, ich schaffe das nicht ohne dich!". Richtiger Job, als wäre das, was ich gemacht habe, keine Arbeit gewesen. Aber natürlich hatte meine Mutter Recht - Mütter haben immer Recht, das ist ein Gesetz, dem man sich besser beugen sollte. Hat sonst echt uncoole Konsequenzen. Das kann ich euch versichern. 'Die kann doch auch alleine Geld zum Leben ranschaffen', denkt ihr euch jetzt vermutlich. Könnte sie auch, sie hat sogar ziemlich gute Qualifikationen. Aber die Diagnose von vor zwei Jahren machte ihr da einen Strich durch die Rechnung - Multiple Sklerose. Scheiße?! Japp, da gibt es definitiv kein anderes Wort für. Aber ich komme vom Thema ab. Ich muss mir also einen "richtigen" Job suchen. Einen normalen Job, nicht so einen coolen wie ich ihn ursprünglich ausführen wollte. Man, ich war so kurz davor meinen Traum zu verwirklichen. Jetzt suche ich mir irgendetwas in der Entwicklung von Videospielen. Das ist wenigstens eine Richtung, die mir gefällt. Was hätte ein weltbekannter Top-Gamer wie ich auch an der Kasse eines Supermarktes oder hinter einem Schreibtisch bei einer Versicherung zu suchen? 'Top-Gamer? Daher der merkwürdige Spitzname!' - schlau kombiniert, ihr Sherlocks. Ja, ihr habt richtig gehört; ich bin einer der 50 Besten weltweit. Und ich war auch schon kurz davor, richtig viel Geld damit zu verdienen. Jetzt hab' ich nicht einmal mehr Zeit für einen ordentlichen Raid.
    "How to talk to people?
    I can't just stand in front of them and press space!"








  • Character






    Und da wären wir auch schon wieder in der Gegenwart, bei meinem Neuanfang, im Zug und auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch. Es ist wirklich interessant, was die zukünftigen Arbeitgeber so alles über einen wissen wollen. Familienstand, Alter, Lebenslauf – alles schön und gut, aber Charaktereigenschaften? Auf so einen Mist muss man erst mal kommen. Ich will mit einem Computer arbeiten und nicht mit Menschen, zumindest nicht mit realen. Da sollte es doch vollkommen egal sein, welchen Charakter ich habe, oder? Aber meine Mutter meinte, ich solle mir trotzdem irgendetwas Nettes überlegen, was ich über mich erzählen könnte. Erzählen, der erste problematische Punkt. Mit Menschen von Angesicht zu Angesicht reden, ist nun wirklich nicht mein Spezialgebiet. Das Lesen der Körpersprache anderer Leute ist für mich ein Fall für Galileo Mystery, aber, errr, irgendwie werde ich das schon schaffen. Kommen wir also zu diesen netten Dingen, die ich mir überlegen sollte. Hmmm… Ich glaube nett ist ein gutes Wort; ich bin also ein netter Kerl, denke ich. Ich halte nichts von Spontanität. Partys, Tiere und Klimawandel sind mir im Prinzip auch ziemlich egal. Manch einer mag meine Gleichgültigkeit mit Arroganz verwechseln. In gewisser Weise stimmt das vielleicht auch. Ich bin möglicherweise ein bisschen arrogant – oder doch eher ignorant? Ich kümmere mich nicht wirklich darum, was andere Leute von mir denken oder sagen. Wenn man so viel am Rechner sitzt wie ich – und noch dazu so bekannt ist, wenn auch nur unter einem Nickname – dann gewöhnt man sich irgendwann an die ganzen fiesen Kommentare der Neider und Klugscheißer. Und wie heißt es so schön? Haters gonna hate. Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch ein gesundes Maß an Arroganz besitzen, gerade wenn er schon so viel erreicht hat wie ich. Sie zeugt ja schließlich auch von einem gewissen Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Letzteres habe ich zumindest online. In der realen Welt mangelt es mir daran noch etwas. Aber ich wurde ja auch erst vor ein paar Monaten wieder zurück in diesen Teich voller langweiliger und merkwürdiger Individuen gestoßen. Danke Vater... wirklich, danke für diesen ganzen Mist. Aber auch meine genetische Abstammung zu diesem Menschen hat etwas Positives an sich; hört, hört. Ich habe seinen Ehrgeiz geerbt und seine Auffassungsgabe. Das mathematische Geschick und mein ausgeprägtes logisches Denken könnten auch von ihm sein, aber wir wollen ihm hier mal nicht zu viel Lob zusprechen. Und da ich natürlich aus zwei DNA-Strängen gemacht bin, habe ich auch etwas von meiner lieben Mutter. Wegen ihr bin ich wohl ein ziemlich sturer Mensch geworden. Das wird aber durch den Familiensinn, den sie mir mit auf den Weg gegeben hat, wieder ausgeglichen. Also, was soll ich sagen, außer... bitte, bitte stellen Sie mich ein?!







  • Lifeline





    Vielleicht sollte ich euch erst einmal erzählen, wie man überhaupt zum Gamer wird und was bis zu diesem unerfreulichen Reset in meinem Leben überhaupt abgelaufen ist, bevor ich weiter mit Fachjargon jongliere. Also wo fange ich am Besten an? Stellt euch vor: Obwohl ich die letzten sechs Jahre eher vor einem PC saß, habe ich doch einiges erleben dürfen – das Kellerkind dürft ihr also einmal gepflegt aus euren Köpfen streichen. Ah, was soll's, machen wir es auf die altmodische Art.
    Ich wurde vor knapp über 22 Jahren Jahren – um genauer zu sein am 13. September 1994 – an einem beschaulichen Dienstag in einem unbedeutenden Krankenhaus hier in Tokyo geboren. Ich lebte ein ganz normales Leben in einer ganz normalen Familie. In der Schule gab es vorwiegend gute Noten; nur in Sport brachte ich meistens eine – wie mein Vater stets zu sagen pflegte – Scheißnote mit nach Hause. Apropos Zuhause, wir lebten damals wie heute in einem kleinen Einfamilienhaus am Stadtrand. Auch ziemlich normal; mindestens so normal wie die Tatsache, dass man auch in einem Fach mal nicht so gut ist... man kann eben nicht alles voll geskillt haben. Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich darüber bin, dass die Glasfaserleitungen bis zu unserem Häuschen verlegt wurden. Ehrlich, ich wüsste nicht, was ich ohne meine 100k anfangen sollte. Aber ich schweife mal wieder ab. Wo waren wir stehen geblieben… achja! Schule. Ich war, wie bereits gesagt, ein Musterschüler wie er im Buche steht. Viele gute Noten, keine guten Freunde – jeih. Doch mir machte das nie wirklich etwas aus. Meine Interessen waren schon immer etwas... selektiert. Ich habe den Sinn dahinter, einem Ball nachzurennen, nie so ganz verstanden. Mich hat es nicht interessiert, dass aus einer Kaulquappe ein kleiner Frosch wurde und dass es tatsächlich ein paar Kinder gab, die sich so ein Tierchen fingen und ihm beim wachsen zusahen, fand ich eher verstörend. Mit zehn Jahren bekam ich den alten PC meines Vaters, auf welchem er mir damals schon beigebracht hatte, einige kleine Programme zu schreiben. Spätestens als wir Internet bekommen haben, stabiles, dauerhaft zugängiges Internet, da war's zu spät. Ich begann mich in MMORPGs auszuleben; fand dort die Freunde, die ich im Reallife nie hatte und ob ihr es glaubt oder nicht, mit einigen von ihnen habe ich sogar heute noch sehr engen Kontakt. Mit zehn Jahren also – mit zehn jungen Jahren setzte ich den Grundstein für meine Gamer-Karriere. Angefangen bei kleineren Spielen wie Metin 2 oder dem euch hoffentlich bekannten World of Warcraft - sollte euch das nichts sagen, wäre es sehr wünschenswert, wenn ihr euch entweder etwas über das Thema informiert oder offline geht, denn dann hat alles weitere hier wirklich keinen Nährwert für euch (und da sag noch mal irgendwer, ich wäre hinterwäldlerisch!). WoW spiele ich auch heute noch, aber mein main focus liegt mittlerweile bei einem anderen Game. Dazu im späteren Verlauf meines Lebens mehr. Wie jeder normale Japaner habe ich natürlich meine halbe Kindheit mit den Spielen von Nintendo zugebracht. Von Pokémon über Super Mario Bros., Star Fox und The Legend of Zelda es gibt eigentlich kein Spiel, das man nicht in meinem Zimmer findet. An der Stelle müsste ich mich wahrscheinlich bei meinem Vater dafür bedanken, dass er mir nach der N64 auch noch einen Gamecube gesponsert hat, aber... ich rede mir ein, das Eine hat mit dem Anderen nichts mehr zutun. Im Prinzip könnte ich jetzt noch tausende Spiele aufzählen, die ich in meinem bisherigen Leben gespielt habe, aber ich denke das würde euch etwas überfordern. Gerade wenn jemand nur grob mit der Materie vertraut ist, überfordern wir Gamer denjenigen schnell – die ganze Szene ist eben sehr breit gefächert.
    Kommen wir also zu den aktuelleren Ereignissen, die mein heutiges Leben geprägt haben. Wenn ich mich richtig erinnere war es vor sechs Jahren, als mein bester Freund Chaoticskillz mich zu DotA brachte. DotA – Defense of the Ancients – ist ein MOBA (Multiplayer Online Battle Arena). Tja, was soll ich sagen - ich war sofort verliebt. Ich bin seitdem nicht mehr von diesem Spiel losgekommen; erst recht nicht, nachdem mein Team und ich vor vier Jahren unser erstes Turnier gewonnen haben – wie soll es für einen Top-Gamer auch anders sein? Vor drei Jahren wechselte ich dann zu Dota 2 und auch dort kennt man mittlerweile meinen Namen. Ich bin jedes Jahr auf einigen Turnieren und bekomme gute Preisgelder – ohne angeben zu wollen, ich bin der Captain meines Teams, dessen Besatzung bis auf Chaoticskillz auch immer mal wieder wechselt; daher bekomme ich auch die fetteste Prämie. Das Einzige, was mir noch fehlt, ist lediglich ein guter Sponsor. Wir hatten einige Angebote auf dem Tisch, etwas von Razer und von The Summit, aber ich wollte auf ein Teamangebot warten. Einen Mannschaftsvertrag quasi, am liebsten von Japans bekanntestem Label, Vicious Gaming. Ich würde mal sagen... dumm gelaufen.
    Vor zwei Jahren erhielt meine Mutter die Diagnose; es war für die ganze Familie ein Schock. Angeblich ganz besonders für meinen Herren Erzeuger. Jetzt ist es ein gutes halbes Jahr her, dass er ihr erzählt hat, dass er sie verlassen wird, weil er mit ihrer Krankheit nicht mehr leben kann – von wegen „In guten wie in schlechten Zeiten“. Und ganz ehrlich? Ich weiß, wie man google richtig benutzt und wie man den Browser-Verlauf eines Laptops trackt. Ich bin nicht bescheuert – mein Vater hat nach einer neuen Frau gesucht, absichtlich. Die Schuld der Krankheit meiner Ma zuzuschieben, ist der Gipfel der Anmaßung. Seitdem haben sich meine Online-Zeiten von 120% auf 10% verringert und der Name K1nGK3n verliert langsam an Bekanntheit – das sagen mir zumindest die Jungs aus meinem Team. Aus dem sie mich vor ein paar Wochen gekicked haben – genau, danke, Papa.
    Ich habe diesen Reset ganz sicher nicht gewollt. Aber was bleibt mir anderes übrig? Es ist wie nach dem Pixeltod – selbst wenn du in einem Spiel schon wieder gestorben bist. Aufstehen, weitermachen. Irgendwie.







  • Family






    Mam
    Was fehlt noch? Meine Familie, natürlich. Um all das zu verstehen, muss man vielleicht einen Einblick in diese bekommen. Meine Mutter, Nanami Cho, ist 47 Jahre alt und wurde in einem kleinen Dorf in der Nähe geboren. Sie ist gelernte Schneiderin, aber aufgrund ihrer Erkrankung kann sie ihren Beruf nicht mehr ausführen, was sie ziemlich mitnimmt. Wisst ihr, andere 47-Jährige Frauen können halt noch laufen und haben nicht mit den täglichen Belastungen ihrer unheilbaren Krankheit zu kämpfen – meine Ma hat Multiple Sklerose. Aber bitte kein Gejammer jetzt; sie ist ein harter Knochen, und es geht ihr gut. Erstaunlich gut sogar, dafür, dass sie jetzt noch viel weniger etwas mit sich anzufangen weiß – wo mein Vater sie doch verlassen hat und sie ihm nicht mehr seine Brille putzen kann, bis man sie ihr wegnehmen muss. Sie war schon immer eine Kämpfernatur, was man vielleicht daran erkennt, dass sie trotz ihrer Einschränkungen – sie ist nahezu blind und kann nicht mehr laufen – trotzdem immer das Sagen in der Familie hatte. Überhaupt, sie ist wirklich ein herzensguter Mensch und deswegen fällt es mir auch immer sehr schwer, ihr einen Wunsch auszuschlagen – sie ist und bleibt halt einfach die Beste. Ihre fünf Geschwister leben über das ganze Land verteilt, zwei von ihnen sogar in Übersee, weswegen wir meine Tanten und Onkel auch nur zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder an Geburtstagen zu Gesicht bekommen. Es ist einfach Bullshit, dass ausgerechnet sie so krank werden musste – lieber hätte meinen Vater die Pest dahinraffen sollen. Aber sie ist eine starke Frau und das macht nicht nur mich sehr stolz. Hätte mich jemand anderes gebeten, mein Leben neu zu beginnen und meine Träume aufzugeben, hätte ich demjenigen womöglich die Freundschaft gekündigt (oder wahlweise den Mittelfinger gezeigt); aber den braunen, viel älter wirkenden Augen meiner Mutter konnte ich diese Bitte nicht abschlagen. Ich gebe ihr auch nicht die Schuld dafür, dass sich mein Leben so verändert hat, das würde ihr Unrecht tun. Dass Vaters Verschwinden sie tatsächlich so kalt lässt, wie sie tut, kaufe ich ihr trotzdem nicht ab – aber sie hat ihren Stolz. Und weil es eines der letzten wenigen Dinge ist, die ihr noch geblieben sind, lasse ich ihr den. Das ist keine Ignoranz, das ist Vertrauen - so wie sie mir vertraut hat, die letzten sechs Jahre lang; dass das, was ich da am Rechner mache, keine absolute Zeitverschwendung ist.
    Dass sie mir immer noch vertraut, jetzt, wo ich der Ernährer dieser Familie sein soll. Dass sie mir immer noch vertraut, jetzt, obwohl ich sechs Jahre lang kaum das Haus verlassen und ein zweites Leben in einem Computerspiel verbracht habe.

    Dad
    Der wahre Übeltäter in der Geschichte ist und bleibt mein Vater, Tomohiro Cho, 51 Jahre. Er ist der Endboss, der Lvl. 90 Warlord, an dem sich der ganze Raid die Zähne ausbeißt. Der Mann, der mich zu dem machte, was ich heute bin – ein Stück Treibholz in einem verdammt großen Ozean. Mein Erzeuger war ein einfacher Firmenarbeiter und – bitte verzeiht mir die Wortwahl – dreckiger Bastard! Auch sechs Monate nachdem er die Bombe hat platzen lassen, kann ich es noch immer nicht fassen. Wie konnte er meiner armen Mutter nur so etwas antun? Er war eigentlich immer eher der schweigsame Typ. Er hatte eine Vorliebe für europäisches Essen, Brillenputztücher und, ganz besonders, seine Arbeit; aber ich hatte immer den Eindruck, dass er meine Ma geliebt hat. Wir beide haben uns nicht besonders nahe gestanden – ich glaube, im Prinzip war ich eine Enttäuschung für ihn. Vielleicht hat er sich gewünscht, dass ich auch mal so fleißig werde wie er; eine Frau heirate, einen Sohn mit ihr zeuge, der ganze Käse. Wir haben nie darüber gesprochen – er hat nicht mit mir gesprochen. Er war zu sehr damit beschäftigt, beschäftigt zu sein, und wenn er sich nicht gerade in seiner Arbeit vergrub, versteckte er sich hinter seinen Büchern oder wahlweise der Bürde, die er angeblich trug, weil er meine Ma und mich durchfüttern musste. Ursprünglich war ich der Auffassung, dass er nicht verstand, wie sehr sich unsere Gesellschaft weiterentwickelt hat; kommunikativ, technisch. Er hat sich nie für das interessiert, was ich vor dem Bildschirm gemacht habe, und er hat nie versucht zu verstehen, dass es keine Zeitverschwendung war. Eins scheint er aber immerhin geschnallt zu haben: wie man das Internet benutzt. Sonst hätte er wohl nicht diese europäische Frau kennengelernt, mit der er dann Ma betrog, bevor er verschwand. Sollte er es noch einmal wagen, einen Fuß in unser Haus zu setzen, dann Gnade ihm Gott. Ich werde nie wieder zulassen, dass er meiner Familie wehtut. Das bin ich meiner Mutter und meiner kleinen Schwester schuldig.

    Sis
    Ja, kleine Schwester. Sie heißt, Überraschung, nicht Barbie – sondern Nagisa Cho. Ihr fragt euch sicherlich wieso ihr noch nichts von ihr gehört habt, aber das ist ganz einfach. Sie ist dieses kleine, nervige Teenie-Gör wie aus dem Bilderbuch. Wenn sie herausfinden sollte, dass ich über sie rede oder sogar dass sie mir am Herzen liegen könnte, bekommt sie womöglich einen Höhenflug und landet dann auf einem verdammt hohen Ross, von dem sie nie wieder heruntersteigt. Und das wäre sehr schade, denn wenn sie gerade mal nicht ihre fünf Minuten hat – was so ziemlich 28 Tage im Monat der Fall ist – dann ist sie eine echt liebenswerte und lustige kleine Person; leidlich intelligent und mit einer schnellen Auffassungsgabe gesegnet. Sie ist mit ihren zwölf Jahren zwar um einiges jünger als ich, aber dennoch teilen wir eine Leidenschaft – und das macht mich schon ein kleines bisschen glücklich (ich will nicht stolz sagen, aber ohne mich wüsste sie wohl nicht, was der Unterschied zwischen Hard Carry und Support ist, also). Sie liebt Gaming genau wie ich, sie guckt mir viel zu, und... wer weiß, vielleicht wird sie ja eines Tages in meine großen Fußstapfen treten und dann dort weiter machen wo ich aufgehört habe.











Code:
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                                        Jetzt aber genug des Geredes über Vor- und Zunamen. Schließlich sollte man mit <h43>22 Jahren</h43> Besseres zu tun haben, als über so etwas zu sinnieren. Hatte ich auch. Wirklich! Meine Mutter schimpfte früher häufig, ich würde nicht in der gleichen Welt wie sie leben. Das ist Bullshit. Ich lebe genauso in <h43>Tokyo, der Hauptstadt von Japan</h43>, wie sie auch; nur... eben ein bisschen anders. Zum Beispiel ist es mir egal, wie unser Premierminister heißt oder was jemand in meinem Alter durchschnittlich verdienen sollte und dass unsere Insel langsam zu klein für so viele Leute wird. Bis vor kurzem <i>musste</I> mich das auch noch nicht interessieren – bis vor kurzem waren mir ganz andere Sachen wichtig. Sachen, die normale Menschen nicht verstehen würden. Doch dann hat mein Dreckssack von Vater meine Mutter betrogen und damit so ziemlich alles über den Haufen geworfen, was ich für meine Zukunft geplant hatte. Von jetzt auf gleich hieß es <i>"Ken, du brauchst einen richtigen Job, ich schaffe das nicht ohne dich!"</I>. Richtiger Job, als wäre das, was ich gemacht habe, keine Arbeit gewesen. Aber natürlich hatte meine Mutter Recht - Mütter haben <i>immer</I> Recht, das ist ein Gesetz, dem man sich besser beugen sollte. Hat sonst echt uncoole Konsequenzen. Das kann ich euch versichern. <i>'Die kann doch auch alleine Geld zum Leben ranschaffen'</I>, denkt ihr euch jetzt vermutlich. Könnte sie auch, sie hat sogar ziemlich gute Qualifikationen. Aber die Diagnose von vor zwei Jahren machte ihr da einen Strich durch die Rechnung - Multiple Sklerose. Scheiße?! Japp, da gibt es definitiv kein anderes Wort für. Aber ich komme vom Thema ab. Ich muss mir also einen "richtigen" Job suchen. Einen normalen Job, nicht so einen coolen wie ich ihn ursprünglich ausführen wollte. Man, ich war <i>so kurz</I> davor meinen Traum zu verwirklichen. <h43>Jetzt suche ich mir irgendetwas in der Entwicklung von Videospielen</h43>. Das ist wenigstens eine Richtung, die mir gefällt. Was hätte ein weltbekannter Top-Gamer wie ich auch an der Kasse eines Supermarktes oder hinter einem Schreibtisch bei einer Versicherung zu suchen? <i>'Top-Gamer? Daher der merkwürdige Spitzname!'</I> - schlau kombiniert, ihr Sherlocks. Ja, ihr habt richtig gehört; ich bin einer der 50 Besten weltweit. Und ich war auch schon kurz davor, richtig viel Geld damit zu verdienen. Jetzt hab' ich nicht einmal mehr Zeit für einen ordentlichen Raid.</div></td>
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                                    <td><div class="runningtext3">Und da wären wir auch schon wieder in der Gegenwart, bei meinem Neuanfang, im Zug und auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch. Es ist wirklich interessant, was die zukünftigen Arbeitgeber so alles über einen wissen wollen. Familienstand, Alter, Lebenslauf – alles schön und gut, aber <i>Charaktereigenschaften</I>? Auf so einen Mist muss man erst mal kommen. Ich will mit einem Computer arbeiten und nicht mit Menschen, zumindest nicht mit realen. Da sollte es doch vollkommen egal sein, welchen Charakter ich habe, oder? Aber meine Mutter meinte, ich solle mir trotzdem irgendetwas Nettes überlegen, was ich über mich erzählen könnte. Erzählen, der erste problematische Punkt. Mit Menschen von Angesicht zu Angesicht reden, ist nun wirklich nicht mein Spezialgebiet. Das Lesen der Körpersprache anderer Leute ist für mich ein Fall für <i>Galileo Mystery</I>, aber, errr, irgendwie werde ich das schon schaffen.  Kommen wir also zu diesen <i>netten Dingen</I>, die ich mir überlegen sollte. Hmmm… Ich glaube <i>nett</I> ist ein gutes Wort; ich bin also ein netter Kerl, denke ich. Ich halte nichts von Spontanität. Partys, Tiere und Klimawandel sind mir im Prinzip auch ziemlich egal. Manch einer mag meine Gleichgültigkeit mit Arroganz verwechseln. In gewisser Weise stimmt das vielleicht auch. Ich bin möglicherweise ein bisschen arrogant – oder doch eher ignorant? Ich kümmere mich <i>nicht wirklich</I> darum, was andere Leute von mir denken oder sagen. Wenn man so viel am Rechner sitzt wie ich – und noch dazu so bekannt ist, wenn auch nur unter einem Nickname – dann gewöhnt man sich irgendwann an die ganzen fiesen Kommentare der Neider und Klugscheißer. Und wie heißt es so schön? <i>Haters gonna hate</I>. Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch ein gesundes Maß an Arroganz besitzen, gerade wenn er schon so viel erreicht hat wie ich. Sie zeugt ja schließlich auch von einem gewissen Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Letzteres habe ich zumindest online. In der realen Welt mangelt es mir daran noch etwas. Aber ich wurde ja auch erst vor ein paar Monaten wieder zurück in diesen Teich voller langweiliger und merkwürdiger Individuen gestoßen. Danke Vater... wirklich, <i>danke</I> für diesen ganzen Mist. Aber auch meine genetische Abstammung zu diesem Menschen hat etwas Positives an sich; <i>hört, hört</I>. Ich habe seinen Ehrgeiz geerbt und seine Auffassungsgabe. Das mathematische Geschick und mein ausgeprägtes logisches Denken könnten auch von ihm sein, aber wir wollen ihm hier mal nicht zu viel Lob zusprechen. Und da ich natürlich aus zwei DNA-Strängen gemacht bin, habe ich auch etwas von meiner lieben Mutter. Wegen ihr bin ich wohl ein ziemlich sturer Mensch geworden. Das wird aber durch den Familiensinn, den sie mir mit auf den Weg gegeben hat, wieder ausgeglichen. Also, was soll ich sagen, außer... bitte, <i>bitte</I> stellen Sie mich ein?!</div></td>
                                    <td><div class="decorationfortext3"></div></td>
                                </tr>
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                            <tr>
                                <td><div class="runningtext3">Vielleicht sollte ich euch erst einmal erzählen, wie man überhaupt zum Gamer wird und was bis zu diesem unerfreulichen <i>Reset</I> in meinem Leben überhaupt abgelaufen ist, bevor ich weiter mit Fachjargon jongliere. Also wo fange ich am Besten an? Stellt euch vor: Obwohl ich die letzten sechs Jahre eher vor einem PC saß, habe ich doch einiges erleben dürfen – das <i>Kellerkind</I> dürft ihr also einmal gepflegt aus euren Köpfen streichen. Ah, was soll's, machen wir es auf die altmodische Art.
                                    Ich wurde vor knapp über 22 Jahren Jahren – um genauer zu sein am 13. September 1994 – an einem beschaulichen Dienstag in einem unbedeutenden Krankenhaus hier in Tokyo geboren. Ich lebte ein ganz normales Leben in einer ganz normalen Familie. In der Schule gab es vorwiegend gute Noten; nur in Sport brachte ich meistens eine – wie mein Vater stets zu sagen pflegte – Scheißnote mit nach Hause. Apropos Zuhause, wir lebten damals wie heute in einem kleinen Einfamilienhaus am Stadtrand. Auch ziemlich normal; mindestens so normal wie die Tatsache, dass man auch in einem Fach mal nicht so gut ist... man kann eben nicht <i>alles voll geskillt</I> haben. Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich darüber bin, dass die Glasfaserleitungen bis zu unserem Häuschen verlegt wurden. Ehrlich, ich wüsste nicht, was ich ohne meine 100k anfangen sollte. Aber ich schweife mal wieder ab. Wo waren wir stehen geblieben… achja! Schule. Ich war, wie bereits gesagt, ein <i>Musterschüler</I> wie er im Buche steht. Viele gute Noten, keine guten Freunde – <i>jeih</I>. Doch mir machte das nie wirklich etwas aus. Meine Interessen waren schon immer etwas... <i>selektiert</I>. Ich habe den Sinn dahinter, einem Ball nachzurennen, nie so ganz verstanden. Mich hat es nicht interessiert, dass aus einer Kaulquappe ein kleiner Frosch wurde und dass es tatsächlich ein paar Kinder gab, die sich so ein Tierchen fingen und ihm beim wachsen zusahen, fand ich eher verstörend. Mit zehn Jahren bekam ich den alten PC meines Vaters, auf welchem er mir damals schon beigebracht hatte, einige kleine Programme zu schreiben. Spätestens als wir Internet bekommen haben, <i>stabiles, dauerhaft zugängiges Internet</I>, da war's zu spät. Ich begann mich in MMORPGs auszuleben; fand dort die Freunde, die ich im <i>Reallife</I> nie hatte und ob ihr es glaubt oder nicht, mit einigen von ihnen habe ich sogar heute noch sehr engen Kontakt. Mit zehn Jahren also – mit zehn jungen Jahren setzte ich den Grundstein für meine Gamer-Karriere. Angefangen bei kleineren Spielen wie <i>Metin 2</I> oder dem euch hoffentlich bekannten <i>World of Warcraft</I> - sollte euch das nichts sagen, wäre es sehr wünschenswert, wenn ihr euch entweder etwas über das Thema informiert oder offline geht, denn dann hat alles weitere hier wirklich keinen Nährwert für euch (und da sag noch mal irgendwer, <i>ich</I> wäre hinterwäldlerisch!). WoW spiele ich auch heute noch, aber mein <i>main focus</I> liegt mittlerweile bei einem anderen Game. Dazu im späteren Verlauf meines Lebens mehr. Wie jeder normale Japaner habe ich natürlich meine halbe Kindheit mit den Spielen von Nintendo zugebracht. Von Pokémon über Super Mario Bros., Star Fox und The Legend of Zelda es gibt eigentlich kein Spiel, das man nicht in meinem Zimmer findet. An der Stelle müsste ich mich wahrscheinlich bei meinem Vater dafür bedanken, dass er mir nach der N64 auch noch einen Gamecube gesponsert hat, aber... ich rede mir ein, das Eine hat mit dem Anderen nichts mehr zutun. Im Prinzip könnte ich jetzt noch tausende Spiele aufzählen, die ich in meinem bisherigen Leben gespielt habe, aber ich denke das würde euch etwas überfordern. Gerade wenn jemand nur grob mit der Materie vertraut ist, überfordern wir Gamer denjenigen schnell – die ganze Szene ist eben sehr breit gefächert.
                                    Kommen wir also zu den aktuelleren Ereignissen, die mein heutiges Leben geprägt haben. Wenn ich mich richtig erinnere war es vor sechs Jahren, als mein bester Freund <i>Chaoticskillz</I> mich zu <i>DotA</I> brachte. DotA – Defense of the Ancients – ist ein MOBA (<i>Multiplayer Online Battle Arena</I>). Tja, was soll ich sagen - ich war sofort verliebt. Ich bin seitdem nicht mehr von diesem Spiel losgekommen; erst recht nicht, nachdem mein Team und ich vor vier Jahren unser erstes Turnier gewonnen haben – wie soll es für einen Top-Gamer auch anders sein? Vor drei Jahren wechselte ich dann zu Dota 2 und auch dort kennt man mittlerweile meinen Namen. Ich bin jedes Jahr auf einigen Turnieren und bekomme gute Preisgelder – ohne angeben zu wollen, ich bin der Captain meines Teams, dessen Besatzung bis auf Chaoticskillz auch immer mal wieder wechselt; daher bekomme ich auch die fetteste Prämie. Das Einzige, was mir noch fehlt, ist lediglich ein guter Sponsor. Wir hatten einige Angebote auf dem Tisch, etwas von <i>Razer</I> und von <i>The Summit</I>, aber ich wollte auf ein Teamangebot warten. Einen Mannschaftsvertrag quasi, am liebsten von Japans bekanntestem Label, <i>Vicious Gaming</I>. Ich würde mal sagen... <i>dumm gelaufen</I>.
                                    Vor zwei Jahren erhielt meine Mutter die Diagnose; es war für die ganze Familie ein Schock. Angeblich ganz besonders für meinen Herren Erzeuger. Jetzt ist es ein gutes halbes Jahr her, dass er ihr erzählt hat, dass er sie verlassen wird, weil er mit ihrer Krankheit nicht mehr leben kann – von wegen <i>„In guten wie in schlechten Zeiten“</I>. Und ganz ehrlich? Ich weiß, wie man google richtig benutzt und wie man den Browser-Verlauf eines Laptops trackt. Ich bin nicht bescheuert – mein Vater hat nach einer neuen Frau <i>gesucht</I>, absichtlich. Die Schuld der Krankheit meiner Ma zuzuschieben, ist der Gipfel der Anmaßung. Seitdem haben sich meine Online-Zeiten von 120% auf 10% verringert und der Name <h43>K1nGK3n</h43> verliert langsam an Bekanntheit – das sagen mir zumindest die Jungs aus meinem Team. Aus dem sie mich vor ein paar Wochen <i>gekicked</I> haben – genau, <i>danke, Papa</I>.
                                    Ich habe diesen <i>Reset</I> ganz sicher nicht gewollt. Aber was bleibt mir anderes übrig? Es ist wie nach dem Pixeltod – selbst wenn du in einem Spiel <i>schon wieder</I> gestorben bist. Aufstehen, weitermachen. Irgendwie.</div></td>
                                <td><div class="decorationfortext3"></div></td>
                            </tr></table>
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                                <tr>
                                    <td><div class="runningtext3"><div class="headline3">Mam</div>Was fehlt noch? Meine Familie, natürlich. Um all das zu verstehen, muss man vielleicht einen Einblick in diese bekommen. Meine Mutter, <h43>Nanami Cho</h43>, ist <h43>47 Jahre alt</h43> und wurde in einem kleinen Dorf in der Nähe geboren. Sie ist gelernte Schneiderin, aber aufgrund ihrer Erkrankung kann sie ihren Beruf nicht mehr ausführen, was sie ziemlich mitnimmt. Wisst ihr, andere 47-Jährige Frauen können halt noch laufen und haben nicht mit den täglichen Belastungen ihrer unheilbaren Krankheit zu kämpfen – meine Ma hat <h43>Multiple Sklerose</h43>. Aber bitte kein Gejammer jetzt; sie ist ein harter Knochen, und es geht ihr gut. Erstaunlich gut sogar, dafür, dass sie jetzt noch viel weniger etwas mit sich anzufangen weiß – wo mein Vater sie doch verlassen hat und sie ihm nicht mehr seine Brille putzen kann, bis man sie ihr wegnehmen muss. Sie war schon immer eine Kämpfernatur, was man vielleicht daran erkennt, dass sie trotz ihrer Einschränkungen – sie ist nahezu blind und kann nicht mehr laufen – trotzdem immer das Sagen in der Familie hatte. Überhaupt, sie ist wirklich ein herzensguter Mensch und deswegen fällt es mir auch immer sehr schwer, ihr einen Wunsch auszuschlagen – sie ist und bleibt halt einfach die Beste. Ihre fünf Geschwister leben über das ganze Land verteilt, zwei von ihnen sogar in Übersee, weswegen wir meine Tanten und Onkel auch nur zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder an Geburtstagen zu Gesicht bekommen. Es ist einfach Bullshit, dass ausgerechnet sie so krank werden musste – lieber hätte meinen Vater die Pest dahinraffen sollen. Aber sie ist eine starke Frau und das macht nicht nur mich sehr stolz. Hätte mich jemand anderes gebeten, mein Leben neu zu beginnen und meine Träume aufzugeben, hätte ich demjenigen womöglich die Freundschaft gekündigt (oder wahlweise den Mittelfinger gezeigt); aber den braunen, viel älter wirkenden Augen meiner Mutter konnte ich diese Bitte nicht abschlagen. Ich gebe ihr auch nicht die Schuld dafür, dass sich mein Leben so verändert hat, das würde ihr Unrecht tun. Dass Vaters Verschwinden sie tatsächlich so kalt lässt, wie sie tut, kaufe ich ihr trotzdem nicht ab – aber sie hat ihren Stolz. Und weil es eines der letzten wenigen Dinge ist, die ihr noch geblieben sind, lasse ich ihr den. Das ist keine Ignoranz, das ist <i>Vertrauen</I> - so wie sie mir vertraut hat, die letzten sechs Jahre lang; dass das, was ich da am Rechner mache, keine absolute Zeitverschwendung ist.
                                        Dass sie mir immer noch vertraut, jetzt, wo ich der Ernährer dieser Familie sein soll. Dass sie mir immer noch vertraut, jetzt, obwohl ich sechs Jahre lang kaum das Haus verlassen und ein zweites Leben in einem Computerspiel verbracht habe.

                                        <div class="headline3">Dad</div>Der wahre Übeltäter in der Geschichte ist und bleibt mein Vater, <h43>Tomohiro Cho, 51 Jahre</h43>. Er ist der Endboss, der Lvl. 90 Warlord, an dem sich der ganze Raid die Zähne ausbeißt. Der Mann, der mich zu dem machte, was ich heute bin – ein Stück Treibholz in einem verdammt großen Ozean.  Mein <i>Erzeuger</I> war ein <h43>einfacher Firmenarbeiter</h43> und – bitte verzeiht mir die Wortwahl – dreckiger Bastard! Auch sechs Monate nachdem er die Bombe hat platzen lassen, kann ich es noch immer nicht fassen. Wie konnte er meiner armen Mutter nur so etwas antun? Er war eigentlich immer eher der schweigsame Typ. Er hatte eine Vorliebe für europäisches Essen, Brillenputztücher und, ganz besonders, seine Arbeit; aber ich hatte immer den Eindruck, dass er meine Ma geliebt hat. Wir beide haben uns nicht besonders nahe gestanden – ich glaube, im Prinzip war ich eine Enttäuschung für ihn. Vielleicht hat er sich gewünscht, dass ich auch mal so fleißig werde wie er; eine Frau heirate, einen Sohn mit ihr zeuge, der ganze Käse. Wir haben nie darüber gesprochen – er hat nicht mit mir gesprochen. Er war zu sehr damit beschäftigt, <i>beschäftigt</I> zu sein, und wenn er sich nicht gerade in seiner Arbeit vergrub, versteckte er sich hinter seinen Büchern oder wahlweise der <i>Bürde</I>, die er angeblich trug, weil er meine Ma und mich durchfüttern musste. Ursprünglich war ich der Auffassung, dass er nicht verstand, wie sehr sich unsere Gesellschaft weiterentwickelt hat; kommunikativ, technisch. Er hat sich nie für das interessiert, was ich vor dem Bildschirm gemacht habe, und er hat nie versucht zu verstehen, dass es keine <i>Zeitverschwendung</I> war. Eins scheint er aber immerhin geschnallt zu haben: wie man das Internet benutzt. Sonst hätte er wohl nicht diese europäische Frau kennengelernt, mit der er dann Ma betrog, bevor er verschwand. Sollte er es noch einmal wagen, einen Fuß in unser Haus zu setzen, dann Gnade ihm Gott. Ich werde nie wieder zulassen, dass er meiner Familie wehtut. Das bin ich meiner Mutter und meiner kleinen Schwester schuldig.

                                        <div class="headline3">Sis</div>Ja, kleine Schwester. Sie heißt, Überraschung, <i>nicht</i> Barbie – sondern <h43>Nagisa Cho</h43>. Ihr fragt euch sicherlich wieso ihr noch nichts von ihr gehört habt, aber das ist ganz einfach. Sie ist dieses kleine, nervige Teenie-Gör wie aus dem Bilderbuch. Wenn sie herausfinden sollte, dass ich über sie rede oder sogar dass sie mir am Herzen liegen könnte, bekommt sie womöglich einen Höhenflug und landet dann auf einem verdammt hohen Ross, von dem sie nie wieder heruntersteigt. Und das wäre sehr schade, denn wenn sie gerade mal nicht ihre fünf Minuten hat – was so ziemlich 28 Tage im Monat der Fall ist – dann ist sie eine echt liebenswerte und lustige kleine Person; leidlich intelligent und mit einer schnellen Auffassungsgabe gesegnet. Sie ist mit ihren zwölf Jahren zwar um einiges jünger als ich, aber dennoch teilen wir eine Leidenschaft – und das macht mich schon ein kleines bisschen glücklich (ich will nicht stolz sagen, aber ohne mich wüsste sie wohl nicht, was der Unterschied zwischen <i>Hard Carry</I> und <i>Support</I> ist, also). Sie liebt Gaming genau wie ich, sie guckt mir viel zu, und... wer weiß, vielleicht wird sie ja eines Tages in meine großen Fußstapfen treten und dann dort weiter machen wo ich aufgehört habe.</div></td>
                                    <td><div class="decorationfortext3"></div></td>
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